Gelassenheit gehört zu den Qualitäten, die wir oft erst dann wirklich zu schätzen wissen, wenn sie uns fehlen. Sie ist kein angeborenes Talent, sondern eine Haltung, die sich entwickeln darf – manchmal langsam, manchmal durch einschneidende Veränderungen, manchmal durch kleine tägliche Entscheidungen.
Was bedeutet Gelassenheit eigentlich genau?
Gelassenheit ist die Fähigkeit, innerlich ruhig zu bleiben, auch wenn das Außen unruhig ist. Sie bedeutet nicht Gleichgültigkeit und auch nicht Passivität. Vielmehr beschreibt sie eine innere Stabilität, die uns erlaubt, klar zu denken, bewusst zu handeln und uns nicht von jeder Welle des Lebens mitreißen zu lassen.
Gelassenheit entsteht dort, wo wir akzeptieren, was wir nicht kontrollieren können, und gleichzeitig Verantwortung für das übernehmen, was in unserer Macht liegt. Sie ist eine Form von innerer Freiheit.
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Mein persönlicher Weg zur Gelassenheit
Als ich noch als Personalreferentin tätig war, war Gelassenheit für mich eher ein Wunsch als eine Realität. Der Arbeitsalltag war geprägt von Termindruck, Erwartungen, Konflikten und dem Gefühl, ständig „funktionieren“ zu müssen. Ich erinnere mich gut daran, wie oft ich mir damals mehr innere Ruhe und Gelassenheit gewünscht habe – nicht nur, um besser zu arbeiten, sondern um mich selbst nicht zu verlieren.
Heute, viele Jahre später, bin ich sehr dankbar, dass dieser Wunsch Wirklichkeit geworden ist. Das lag nicht nur an veränderten Lebensumständen, sondern vor allem an einer veränderten inneren Haltung. Ich habe gelernt, mich selbst ernster zu nehmen als die äußeren Anforderungen. Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen, Prioritäten zu klären und meinen eigenen Rhythmus zu respektieren. Und ich habe gelernt, dass Gelassenheit nicht etwas ist, das man „hat“ – sondern etwas, das man immer wieder neu wählt.
Wie findet man zu mehr Gelassenheit?
Gelassenheit ist ein Prozess, kein Ziel. Und doch gibt es Wege, die uns zuverlässig in die richtige Richtung führen können.
- Akzeptieren, was ist
Gelassenheit beginnt mit der Einsicht, dass wir nicht alles kontrollieren können. Das bedeutet nicht Resignation, sondern Realismus. Wer akzeptiert, was er nicht ändern kann, gewinnt Energie für das, was wirklich in seiner Hand liegt.
- Die eigene innere Stimme stärken
Viele Menschen verlieren Gelassenheit, weil sie sich zu sehr an äußeren Erwartungen orientieren. Je klarer wir wissen, was uns wichtig ist, desto weniger geraten wir ins Wanken, wenn andere etwas anderes wollen.
- Grenzen setzen – freundlich, aber klar
Gelassenheit braucht Raum. Und Raum entsteht, wenn wir uns erlauben, Nein zu sagen, Pausen zu machen und uns nicht für alles verantwortlich zu fühlen.
- Den Körper als Verbündeten nutzen
Atmung, Haltung, Bewegung – all das beeinflusst unser Nervensystem. Ein paar tiefe Atemzüge, ein kurzer Spaziergang oder bewusstes Entspannen können in Sekunden spürbare Ruhe bringen.
- Den Blick weiten
Gelassenheit entsteht, wenn wir uns nicht im Moment verlieren. Die Frage „Wird das in einem Jahr noch wichtig sein?“ kann Wunder wirken. Oft relativiert sich dadurch das, was uns gerade aufregt.
- Sich selbst freundlich begegnen
Gelassenheit wächst dort, wo wir uns selbst nicht verurteilen. Wer sich erlaubt, Fehler zu machen, darf auch leichter durchatmen.
Gelassenheit als Lebenshaltung
Gelassenheit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann für immer behält. Sie ist eine Haltung, die wir pflegen dürfen – im Alltag, in Beziehungen, in beruflichen Herausforderungen. Und sie ist ein Geschenk, das wir uns selbst machen können.
Wenn wir lernen, uns nicht von jedem äußeren Impuls aus der Ruhe bringen zu lassen, entsteht ein innerer Raum, in dem Klarheit, Kreativität und Lebensfreude wachsen können.
Manchmal beginnt dieser Weg mit einem einfachen Wunsch – so wie damals bei mir. Und heute freue ich mich sehr, wenn ich meine Klient*innen auf ihrem Weg zu mehr Gelassenheit begleiten und unterstützen darf!
