Es ist das,
was Du daraus machst!

Hallo Angst!

Habt ihr auch Höhenangst, so wie ich? Oder Angst davor, einen Raum voller Menschen betreten zu müssen? Oder bekommt ihr Herzrasen bei dem Gedanken, auf der Autobahn oder durch einen Tunnel zu fahren? Oder habt eine von tausend anderen Ängsten, die euch das Leben manchmal schwer machen?

Angst ist ein normales und nützliches Gefühl, das uns vor Gefahren warnt und schützt. Diese Angst ist lebenserhaltend! Manchmal kann Angst aber auch übermäßig, unangemessen oder irrational werden und unser Leben dadurch einschränken. Dann spricht man von Angststörungen oder Phobien. Dabei geht es um Ängste, die keinen rationalen Grund haben: Vor einem freilaufenden Löwen Angst zu haben, ist ein Beispiel für „normale“, schützende Angst, die wir alle fühlen und die uns veranlasst, uns schnellstens in Sicherheit zu bringen. Wer sich hingegen vor einem Grashüpfer oder einer Blindschleiche fürchtet, leidet an einer Phobie.

Das „Gemeine“ an diesen irrationalen Ängsten ist, dass sie sich für die Betroffenen genauso schlimm anfühlen wie „normale“ Ängste. Nicht-Betroffene können das häufig nicht nachvollziehen. Wer Angst vor einer Blindschleiche hat, für den ist das Angstgefühl genauso überwältigend und intensiv wie für jemanden, der einem Löwen gegenübersteht. Das AngstGEFÜHL ist real, nur die zugrundeliegende Bedrohung ist nicht real.

Das ist der neue Ireneturm auf der Tromm, auch „Himmelsleiter“ genannt. Schon beim Gedanken daran, dort hinaufzugehen, fängt mein Herz an zu rasen und ich bekomme weiche Knie! Und das, obwohl mein Verstand mir sagt, dass es sicher ist, auf diesen Turm zu steigen und er ganz bestimmt nicht unter mir zusammenkrümeln wird.

 

Angststörungen sind weit verbreitet

Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen. Etwa 10 bis 14 Prozent der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen Angststörung. Daneben gibt es eine hohe Dunkelzimmer: Menschen, die unter ihren Ängsten leiden, sich aber aus verschiedensten Gründen keine therapeutische Unterstützung suchen.

Frauen sind übrigens häufiger betroffen als Männer – so heißt es, aber vielleicht gehen Frauen auch nur offener mit ihren Ängsten um?

Angststörungen können in jedem Alter auftreten, beginnen aber meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. In stressigen Lebensphasen zeigt sich die Angst häufig stärker als in Phasen, wo wir gelassen und entspannt sind.

 

Das Gute an Angststörungen

Ja, es gibt tatsächlich eine gute Nachricht! Angststörungen lassen sich nämlich meist gut behandeln.

Eine wirksame Form der Psychotherapie bei Angststörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernt man, die eigenen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu verstehen und zu verändern, die die Angst auslösen oder aufrechterhalten. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Konfrontation mit den angstbesetzten Situationen oder Objekten, um die Angst zu überwinden und zu bewältigen.

 

Zwei einfache Regeln

Angststörungen sind sehr berechenbar, und wer darunter leidet, hat wahrscheinlich schon am eigenen Leib erfahren:

  1. Wenn ich der Angst nachgebe, wird sie stärker. Dann breitet die Angst sich aus und nimmt immer mehr Raum ein. Ich habe dann im Falle einer Höhenangst nicht mehr nur dann Angst, wenn ich auf einen Turm steigen oder Riesenrad fahren soll. Die Angst geht auf weitere Bereiche über, so dass ich irgendwann schon Herzrasen bekomme, wenn ich auf eine Haushaltsleiter steigen soll. Dadurch schränkt sie mein Leben Stück für Stück immer weiter ein.
  2. Wenn ich mich meiner Angst entgegenstelle, wird sie schwächer. Das ist gar nicht so leicht, denn unser Gefühl sagt uns ja ganz deutlich, dass wir uns von der Gefahr fernhalten sollen. Hier müssen wir also gegen unser Gefühl handeln. Wenn ich akzeptiere, dass ich Höhenangst habe, und trotzdem (oder gerade deswegen!) öfters mal auf einen Turm steige, mit der Seilbahn fahre oder mich sonst irgendwie meiner Angst aussetze und sie konfrontiere, dann wird sie schwächer. Dann gelingt es mir mit etwas Übung, alle Dinge zu tun, die ich tun will, ohne mich von der Angst einschränken zu lassen.

 

Keine Einschränkungen trotz Angst!

Ich konfrontiere regelmäßig meine Höhenangst und halte sie dadurch in Schach. Vor ein paar Tagen habe ich deshalb wieder einmal den Ireneturm erstiegen. Es ist jedes Mal eine Herausforderung für mich, aber je öfter ich das mache, um so leichter (oder wenigstens weniger schlimm!) wird es. Und es lohnt sich ja auch: die Aussicht von da oben ist wirklich wunderschön! Es wäre so schade, das zu verpassen!

 

Je öfter ich meine Angst konfrontiere, umso weniger Angst habe ich auch in ähnlichen Situationen, so dass ich z.B. auch mit meiner Nichte und meinem Neffen Riesenrad fahren kann.

Und genau das ist das Ziel: alles tun zu können, was ich will, ohne mich von meiner Angst einschränken zu lassen!